Denklatenz

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Musikrezension

Black Rust: Medicine & Metaphors

Medicine & Methaphor ist das Erstlingswerk von Black Rust. Wir freuen uns über eine abwechslungsreiche Platte.

07. November 2009

von René B.

Das Plattencover von Medicine & Metaphors ziert eine zeitlose Wohnzimmereinrichtung unbestimbar zwischen gelsenkirchner Barock und Biedermeierstiel, tolle rote Tapete aber ansonsten unspektakulär.

Everything’s Fading, kommt so was von smooth daher, ist rhythmisch mit toller Akustikgitarre, ein gelungener Start in Medicine & Methaphor. Auch unter voller Instrumentalisierung findet Heartache Now den Weg ins Gesäß. Heartache kommt sehr lässig daher, einfach easy, frisch und unverbraucht, mal hört man das Piano heraus oder am Ende die Mundharmonika, fast möchte man tanzen. Overdose nimmt wieder etwas Spannung heraus und wartet mit Streichern auf Pianoklängen schöner Stimme und netter Geschichte. Außerdem zeigt Overdose das man Mundharmonika auch in einem schönen und nicht überladenen Kontext gebrauchen kann. New Year’s Day ist ein ausgewachsener Rock’n Roll Song. Vorantreibene Beats und Bass, forderndes Tastengewitter, dazu die immer unvergessliche Stimme, die hier etwas mit hall versetzt ist aber gut hinein passt. Insgesamt hat man immer das Gefühl, dass kann ich auch, so locker leicht und lässig erscheint das ganze. Auch vom textlichen ist man erfreulicherweise vom Weltschmerz weit entfernt. Kleine Geschichten rund um Liebe, Freunde, Familie und alltäglichen Problemchen denen man eine angemessene leichte Sachlichkeit beimisst, da passt Acually Yours auch rein. Ständig hat man das Gefühl das kenne ich auch irgendwo her. Schön das uns Black Rust mit Medicine & Methaphor eine Vertonung gibt. Empty Park Empty Street kennt fast jeder von uns wenn man, als „übrig gebliebener“ Sonntagsmorgens halbsechs, lieber den langen weg nach Hause nimmt, um noch die seltene Stille zu genießen, den Vögeln beim aufwachen und zwitschern zusehen möchte, die das dunkelblau in dunkelgrau übergeht und man erste Tautropfen in den Parkwiesen sehen kann. Lonely Child’s Poem hat beste Radioqualitäten, das im positiven Sinne, einprägende Melodie, recht poppig ohne die gefürchtete Sinnentleerung. Der achte Song Silent Lament, schläft fast ein so getragen ist er, man darf doch wenigstens ein mal melancholisch werden. Ja darf man warum auch nicht. Silent Lament ist durchaus Stimmungserzeugend, aber driftet Gott sei dank nicht ab in eine unnötige Depression. Dafür sorgt It’s Alright, Gril (I’m Only Lying), der die Seite der Medaille dreht und dem Hörer herausholt aus dem Dämpfer den er erlitt. Song From The Edge Of Bed klingt am Anfang als ob es auf Große Hamburger Reise geht. Obwohl der Song nicht schlecht ist, hat man das Gefühlt die Einzelteile fügen sich nicht zu einem ganzen. Song elf Bottom Of Glass hat diesen typischen Akkutischen Gitarrenanschlag, schön gespannte Kontrabass Seiten die auch mal mit dem Pferdeschweif gestreichelt werden. Der Song ist vielleicht der beste auf Medicine & Methaphor weil er alles vereint, das tolle Zusammenspiel der Instrumente mit einer tollen Melodie und Idee. We Don’t Live Here Anymore lebt ein bisschen von der Substanz wie man sagt. We Don’t Live Here Anymore braucht fast die Gesamtlänge von 4 Minuten um voll zu werden. Marlene ist der letzte Song der Sinnlich erzeugt wird, vielleicht ist es aber auch der Song der am Persönlichsten ist. Marlene zeigt noch einmal das sehr gute Potenzial von Black Rust und ein guten, gefühlvollen Sänger.

Fazit:
Ein beachtliches Erstlingswerk das auch überzeugen kann ohne laut zu werden. Ein bisschen Pop, ein bisschen Rock, ein bisschen Folk, der Verzicht auf Pathos, sondern besinnen auf die Dinge die vor der Nase passieren, verpackt in stimmungsvolle Musik mit runden Melodien und einer sehr gefühlvollen männlichen Stimme, das ist Black Rust mit Medicine & Methaphor. Wer das unverkrampfte mag dem ist Medicine & Methaphor empfohlen. Das ganze klingt jetzt nicht neu oder innovativ, aber trotzdem frisch und im gesamten vergnügt.

Fakten:
Cover: Black Rust
Künstler: Black Rust
Album: Medicine & Methaphor
Albumlänge: ca. 56 min.
Tracklist:
  1. Everything’s Fading
  2. Heartache Now! Overdose
  3. New Year’s Day
  4. Actually Yours
  5. Empty Park. Empty Street
  6. Lonely Child Poem
  7. Silent Lament
  8. It’s Alright Girl
  9. Songs From The Edge Of The Bed
  10. Bottom Of The Glass
  11. We Don’t Live Here Anymore
  12. Marlene
Label: Strange Way Records
Webseite: www.black-rust.de/
VÖ-Jahr: 2009