Denklatenz

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Ein Roman aus Hitlerdeutschland

Anna Seghers: Das siebte Kreuz

Eine Buchrezenion über eines der wichtigsten antifaschistischen Bücher das zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus geschrieben worden ist. Das Siebte Kreuz von Anna Seghers

22. April 2010

von René B.

Netty Reiling, die sich später Anna Seghers nannte, schrieb Ihren Roman zwischen 1937 und 1939 im Pariser Exil. Das siebte Kreuz ist ist der bekannteste Roman Seghers und gehört zu den einflussreichsten antifaschistischen Büchern die geschrieben worden sind. Somit zeigt sich das Thema und die Rahmenhandlung, eingebettet in die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Obwohl Anna Seghers bereits 1933 Deutschland verlassen hatte war sie über die Vorgänge in ihrer Heimat stets gut unterrichtet und informiert. Die Figuren und Orte sind zwar allesamt fiktional, allerdings bettet sich die Handlung in die Nähe ihrer Heimat ein. Das siebte Kreuz spielt in der Gegend um Westhofen bei Worms. Das Konzentrationslager in Westhofen spielt dabei eine Zentrale Rolle.

Der Roman beginnt damit, das sieben Gefangene des KZ-Westhofen ausbrechen. Ihre Flucht wird unmittelbar bemerkt, die Flucht wird zu einer Hetzjagd. Georg Heisler ist einer der sieben Ausbrecher. Anna Seghers entwickelt um ihn herum die Geschichte.

Die Art und Weise mit der die Geschichte erzählt wird ist etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade in den ersten Kapiteln findet eine kunstvolle Vermengung von Retrospektiven und Gegenwartsdarstellungen statt. Personenkreise deren Zusammenhänge sich erst später darlegen und viele Kleinigkeiten geben ein etwas konfuses Abbild der Handlung ab. Überwindet man den Punkt und gibt dem Roman genügend Zeit sich zu entwickeln, dann steigt man langsam aber sicher hinein, in eine sehr nebulöse Welt. In eine Welt die nie ganz wach zu sein scheint. Lernt einen Georg Heisler kennen, der wie, im nicht Vollbesitz seiner Kräfte vorwärts läuft. Die Randbedingungen verschwimmen je weiter man sich vom der zentralen Figur entfernt. Ein ein dicker Nebel in dem die Zeichen der Zeit, die aus Angst, Furcht, Denunziation, Gewalt und Nationalsozialismus bestehen steigt empor. Aber andere Zeichen, wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Widerstand gegen das Regime stehen ungreifbar im Wasserdunst des Rhein-Main-Gebiet. Wie mit einer Lupe zentriert und mikroskopiert Anna Seghers die Gefühlswelt in dieser Zeit. Obwohl alles nur Schattenrisse der Wirklichkeit zu sein scheinen, gelingt es ihr ein genaues Abbild und deren Eigenschaften abzubilden. Vom tiefschwarzen SS Mann über Braunhemden der SA, über Karriere orientierte Funktionäre, Opportunisten, Mitläufer, Zurückhaltende, Vorsichtige, Widerständler, einfache Menschen, Freunde, Helfer.

Nach und nach werden die geflohenen wieder ergriffen, einer nach dem anderen, bis auf Georg Heisler. Er ist allein auf der Flucht vor den NS-Schergen. An den sieben gekuppten Plantanen des Lagers Westhofen werden kurz nach der Flucht sieben Kreuze genagelt und werden zum Marterpfahl für die Gefangenen. Die sieben Plantanen und sieben Kreuze werden zum Synonym für die Ausreißer. Was mit dem siebten Kreuz passiert ist die Geschichte des Romans.

Fazit:
Ein nicht ganz leicht zu lesendes Buch, dass mit der eigenen Sprach der Anna Seghers geschrieben ist. Es Überzeugt durch eine subversive Psychologie. Die geistige Umklammerung und befremdliche Schauer werden nicht durch plakative Szenen erzeugt, sondern im Kopf des Lesers findet ein Prozess statt der es ihm ermöglicht die Geschichte, die Menschen, Orte und Zeit, das verbrechen an der Menschlichkeit zu erfassen.

Fakten:
Buchcover: Das siebte Kreuz
Autor: Anna Seghers
Titel: Das siebte Kreuz –
Ein Roman aus Hitlerdeutschland
Seiten: 416
EA-Jahr: 1942 (USA)
1946 (Deutschland)