Denklatenz

Das Magazin

Musikrezension: Die Aliens sind gelandet

Regen und Mild: Im Bann des Plattenspielers

15. Februar 2010

von René B.

Für wenige Euro in irgendeinen Second-Hand-Shop habe ich die Platte gekauft ohne reinzuhören. Ich muss sagen das war ein Glücksgriff. Regen und Mild ist der Name einer dreier HipHop Combo und Im Bann des Plattenspielers ist der Name des Longplayer. Ich wills vorne weg sagen; Die Band als solche gibt es nicht mehr und das Projekt Nachtwandler war zum sterben verurteilt. Ehedem haben sich die Jungs mehr den je als Produzenten verschiedener Projekte verschrieben wie z.B. Rapsoul. Regen und Mild bzw. Nachtwandler bleiben somit dem Hessischen und Großfrankfurter Raum um den Taunus herum auf künstlerischen Pfaden. Das Albumcover selber ziert eine nächtliche Szenerie in der Radioteleskope in den Sternenhimmel horchen.

Eine kleines feines Intro mit schöner Streicher und Pianomelodie eröffnet den Longplayer, bevor die erste Wahrheit im ersten Satz und gleichzeitig der Name des ersten Tracks ist, Wir müssen alle viel länger schlafen. Das erste was auffällt ist, dass Regen und Mild verständlich Rappen. Ein toller Track über durchgemachte Nächte mit Freunden und Kumpels. „überhaupt sollte ich lieber mehr Obst essen, als mir Nachts um drei nen BicMacMenü reinzufressen“. In einen recht thighten beat ein sehr guter einstand. Alien wechselt das Thema und ist vom Tempo etwas forscher, mehr Reim und HipHop, dabei so gelungen getextet, so gelungen selbstironisch. … in einer Welt voller HipHop sind wir die Aliens …, und meinen damit sich selbst. Allein schon mit Aliens haben sie den gemeinen GängtaRapper an die Wand gespielt.

Mit dem Prolog Plattenspieler, wo der heilige Turntable verehrt wird ist eine Huldigung an die Kinder des HipHop. Kein Lied sondern ein Hörspiel. Tolle Idee tolle Umsetzung. Im Bann des Plattenspieler ist eine Biographie eines HipHop Jugendlichen der aus normalen Kreisen kommt, fernab von "mein Block". … ich bin ein Kleinstadtkind aus nem Mietshaus, so ging ich raus auf die Straße mit dem Kopfhöher auf … ich hab mal Abi gemacht auch wenns manchmal schwierig war nach der Scheidung meiner Eltern … mein Skateboard liegt im Keller denn ich kann gar keine Tricks … , heißt es da. Dabei bleibt das ganze positiv bejahend und erfrischend. Das tolle an dem Album ist die gleichberechtigten und ähnlichen Stimmen der drei Protagonisten. Ein Homeboy, (k)ein DJ und eine Lockenmann hat einen flow der Live sehr gut laufen würde. Was ich an dieser Stelle erwähnen muss ist, dass auf dem Longplayer vielfältig Instrumente zum Einsatz kommen und auch Sängerinnen am Start sind. Auch der Anrufbeantworter bringt einen lustigen Einspieler. Tausendjahre Jahre sind wie ein Tag klingt und geht ganz dicht an Casandra Steen heran. (anm.d.R. Casandra Steen wird von Nachtwandler produziert) Im Grunde ein solider Liebessong der auf zu viel Schmalz verzichtet. Nach dem soften Song kommt, Dies ist nicht der Anfang vom Ende, wo wieder amtlich gerappt wird. Unter Wasser ist für mich der beste Song auf dem Album, eine Wahnsinnig geniale Fahrt in Nemos Nautilus zum Meeresgrund. … in fliegenden untersassen unter wassermassen kammen wir hierher weil wir unseren Ursprung nicht vergaßen…. Sehr schöner Song außergewöhnlich Bildhaft gestaltet. Endlich wieder abfahren ist ein weiterer Partykracher wenn Regen und Mild die Behauptung aufstellen … unser flow ist so flüssig das die Mircophone rosten …. Trotz des zügigen Beats bleibt jeder der Jungs sehr gut verständlich. Der Club am Ende es Universums ist ein weiterer Einspieler der … Nach dem ich den Todesstern zerstört hatte flog ich mein Schiff sicher zurück zur Basis, schließlich fand ich mich am Ende des Systems in irgendeiner Bar mit einem Haufen junger Rapper wieder. Die Musik klang eigenartig, doch ich wusste die Macht war mit Ihnen … . Natürlich sind die jungen Rapper ein Homeboy (k)ein DJ und ein Lockenmann. Wie von einem andern Stern ist erneut ein gelungene Mischung aus Soul und HipHop, vielleicht etwas plakativ aber Ok. Bei der Frage Hat noch jemand Papers da? geht’s ums bauen. Auf alle fälle eine tolle Geschichte. Die kann man sich immer wieder anhören. Mit Nachttankstelle wird man von Regen und Mild in Richtung Ausgang begleitet, ein nachdenklicher Song. Manchmal kommen sie wieder gibt leider ein versprechen ab das nicht gehalten wurde. Und ganz zu recht fragt der Alien; Wo ist das zweite Album?

Fazit:
Ausgehend von einer bürgerlichen Existenz wird das beobachtete in wunderbaren Geschichten verpackt. Die Storys sind unschlagbar gut gereimt und das Album ist mit 74 Minuten an der Grenze des machbaren. Es ist eines der Alben welches niemals langweilig werden wird, weil es Genreübergreifend und einfach einhundert prozentig in sich stimmig ist. Erfreulich ist eben auch das auf das genretypische teenagergesülze verzichtet wird.

Fakten:
Plattencover: Regen und Mild, Im Bann des Plattenspielers
Künstler: Regen und Mild
Album: Im Bann des Plattenspielers
Albumlänge: ca. 74 min.
Tracklist:
  1. Intro
  2. Wir müssen alle viel länger schlafen
  3. Aliens
  4. Prolog: Plattenspieler
  5. Skit: Zwischenzeitlich im Nachtwandler eins
  6. Ein Homeboy (k)ein DJ und ein Lockenmann
  7. Skit: Anrufbeantworter
  8. Tausendjahre sind wie ein Tag
  9. Mitternacht
  10. Dies ist nicht der Anfang vom Ende
  11. Unter Wasser
  12. Endlich wieder abfahren
  13. Skit: Der Klub am Ende des Universums
  14. Hat noch jemand Papers da?
  15. Nachttankstelle, Manchmal kommen sie wieder /outro.
VÖ-Jahr: 2000