Denklatenz

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Buchrezension

Georges Blond: Verdun

Georges Blonds Roman Verdun gehört zur Post-Antikriegsliteratur. Er wurde 1961 in französischer Sprache erstveröffentlicht und liegt mir in der deutschen Übersetzung von Franz Wild vor.

21. Oktober 2010

von René Buchfink

Der Autor legt die intensiv recherchierten Vorgänge von damals, in in eine kompakte und sehr begrenzte Form dar. Die Schlacht um Verdun ist das zentrale Thema Buches. Die Erzählung setzt Mitte-Februar 1916 ein und endet im Oktober 1916. Anders als andere Antikriegsliteratur umkreist dieses Buch keine Aspekte außerhalb Verduns. In dieser Zeit beschreibt Blond, überwiegend aus die französischer Sicht, die strategischen und kriegerischen Handlungen. In recht journalistischer Art und Weise geschrieben, hat Blond keine Hemmungen den Leser mit Zahlen, Daten und Fakten, zu fordern. Glücklicherweise nimmt die Vorstellung von einzelnen Regimentern, Bataillonen, Korps etc. im laufe der Handlung ab. Übrig bleibt eine reportageartige Sprache die durchaus emotionale Vorgänge beschreibt, aber nie schreiend und oder hoch emotional wirkt.

Georges Blond nutzt unterschiedlicher Personen um aus deren Sicht die Schlacht um Verdun darzustellen. So zum Beispiel entwickelt Blond eine Art Verfolgerperspektive auf General Pétain über dessen Schultern wir Einblicke in seine Seele und die des Generalsstab der französischen Armee bekommen. Eine weitere Person ist die des deutschen Ballonfahrers, Soldat Schmitt. Aus seinen Augen werden uns seine Kriegserlebnisse und Kriegserfahrungen berichtet. Soldat Schmitt wird unser Beobachtungsposten über dem Schlachtfeld von Verdun. So begleiten und verlassen uns Figuren der Erzählung, ohne das es den einen übergeordneten Protagonisten geben würde. In 12 Kapiteln zeigt Blond die Hölle der legendären Materialschlacht dar, der mehr als 500.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Georges Blond schrieb dieses Buch nach eingehend Studien. Er diente im zweiten Weltkrieg als Marineoffizier. Zuvor, nachdem er sich bei der Handelsmarine versuchte hatte, arbeitete er 10 Jahre lang als Journalist und Redeaktionssekretär der renommierten Wochenzeit Candide. In dieser Zeit veröffentlichte er seine ersten Novellen und Romane. Eines dieser Werke wurde in New York mit dem Prix Denise Clairouin ausgezeichnet, den alljährlich das beste in den USA erscheinende französische Buch erhält. (Quelle: Klappentext)

Fazit:
Georges Blonds Roman Verdun ist ein vergessener Roman, der genauso wie Remarques Roman Im Westen nichts neues entheroisieren ist, auch wenn die Covergestaltung recht militaristisch daherkommt. Verdun überbietet in sprachlicher Präzision und Anschaulichkeit Ernst Jüngers In Stahlgewittern. Verdun ist kein Schlachtengemälde sondern eine Aufarbeitung einer Schlacht. Etwas knochig in der Schreibweise, aber durch die unterschiedlichen Personen- und Blickwinkel interessant.

Fakten:
Buchcover: Verdun
Bild: Buchcover
Autor: Georges Blond
Titel: Verdun
Seiten: 202
Verlag: Rowolt Taschenbuchverlag
VÖ-Jahr: 1961